CHRONIK
Die Kirche in Königsau, Diözese Przemysl     
Im Jahre 1846 wurde die Kirche erbaut, als das von den ersten Einwanderern errichtete Kirchlein zu enge geworden war. Die Steine für das Fundament wurden von Demniar, das Holz aus dem Revier von Letnia geholt. Das Geld zum Bau der Kirche bekamen die Königsauer von der Regierung. Die Ansiedler leisteten nichts dazu als das Fuhrwerk zum Herbeiführen des Materials. Dem Ingenieur, der Karlbach hieß, gaben sie die Beköstigung. Die Arbeiter zum Kirchbau waren alle von auswärts. Von Königsau haben nur zwei Personen beim Bau mitgeholfen, und zwar Johann Palmerich und Jakob Wagner; sie wurden aber von staatlichem Geld besoldet. Innerhalb eines Jahres wurde die Kirche gebaut; damals regierte Kaiser Ferdinand I. - (Anm. d. V.d.B.: Kaiser Ferdinand I., geb. 1793, gest. 1875, ältester Sohn des Kaisers Franz I., des Gemahls der Maria Theresia, geistig zurückgeblieben, wurde 1848 zur Abdankung zugunsten seines Neffen Franz Joseph I. veranlaßt.) Der erste Pfarrer hieß Skorski und kam von Medenice. Das Bild der "Madonna Sixtina Rafaelis" (Sixtinische Madonna) im rechten Seitenaltar schenkte die Gräfin Julia Bielska von Rychcice der Kirche. Dieses Bild ist ein Abschlag von dem Marienbilde in Dresden. Alles, was zur heiligen Messe gebraucht wurde, wie Ornate, Monstranz und dergleichen, wurde auf Befehl des Kaisers für staatliches Geld gekauft. Im Jahre 1850 bekam Königsau den ersten Pfarrer. Ein Pfarrhaus war nicht vorhanden, so wohnte der Pfarrer bei Friedrich Kaufhold Nr. 77. Der Friedhof ist noch der erste, welcher bei der Gründung der Siedlung angelegt wurde. Dieser wurde aber schon zweimal vergrößert. Er befindet sich auf dem Acker der Familie Reichert Nr. 5 und Langenfeld Nr. 4 an der Hauptstraße nach Medenice. (Auszug aus den Pfarrbüchern in Königsau, herausgeschrieben von einer GP am 23.10.1939.) Die Kirche war innen mit reicher Malerei versehen. Besonders das Deckengemälde war von gewaltigen Ausmaßen. Leider war es im Laufe der Zeit etwas schadhaft geworden, so daß die Malerei an einigen Stellen beschädigt wurde. Außer dem prächigen Hauptaltar befanden sich noch  zwei reich ausgestattete Seitenaltäre im Kirchlein, die beide versenkbare Bilder aufwiesen. Die Malereien waren von künstlerischem Wert. Da die Kirchenglocken im Weltkriege beschlagnahmt worden waren, wurden im Jahre 1923 neue Glocken gekauft. Auch die Orgel mußte einer Ausbesserung unterzogen werden, da ein Teil der Orgelpfeifen von den Russen mitgenommen worden war. Die Kirche selbst war während der Kriegswirren nicht beschädigt worden. Als Sehenswürdigkeit zeigte man darin eine völlig aus Holz geschnitzte  Taube, wohl ein Symbol des Friedens. (Nach VB 36/1928.) Über die Bemühungen der Königsauer um die Erhaltung der deutschen Kirchensprache erfahren wir aus dem VB vom 13.3.1908: In Königsau war vor einigen Jahren ein Priester, der nicht mehr deutsch, sondern nur polnisch predigen wollte. Die Gemeinde lehnte sich dagegen auf und drohte mit dem Übertritt zu einem anderen Glauben. Es kam dann ein anderer Priester in den Ort, der wieder deutsch predigte. Damals bestanden noch kein "Bund der christlichen Deutschen in Galizien" und kein "Deutsches Volksblatt für Galizien". Über die Toleranz der Königsauer gegenüber den Angehörigen anderer Konfessionen berichtet das VB 2/1907  ein schönes Beispiel: Am 16. August d.J. starb Jakob Damm, Grundwirt und Gemeindeassessor daselbst, im 43. Lebensjahre und hinterließ acht unversorgte Kinder. Derselbe war das einzige evangelische Gemeindemitglied in der großen und schönen deutsch-katholischen Gemeinde Königsau und wurde von allen  Gemeindegliedern hoch geachtet. Die Wahl zum Gemeindevorsteher hatte er abgelehnt. Dem Verstorbenen läutete die Sterbeglocke in Königsau und am Tage seiner Beerdigung das Geläute der dortigen deutsch-katholismen Kirche. Die irdische Hülle des Verstorbenen wurde von Senior M. Royer aus Josefsberg am 18. August l.J. eingesegnet und unter Begleitung der ganzen Gemeinde Königsau, den meisten evangelischn Gemeindemitgliedern von Ugartsberg, Josefsberg, Brigidau und den Stammes- und Glaubensgenossen aus den umliegenden ruthenischen Dörfern auf dem katholischen Friedhof zu Königsau, woselbst seine Großmutter, zwei seiner Kinder und eine seiner Tanten ruhen, beigesetzt." Von den Nachfolgern des ersten Pfarrers Skorski liegen keine Angaben vor, ausgenommen den erwähnten polnischen Prediger und seinen deutschsprechenden Nachfolger. Erst das VB 36/1928 berichtet: "Infolge einer krankhaften Störung seines geistigen Befindens mußte der bisherige Pfarrer der Gemeinde, Hochw. Henczel, der perfekt deutsch konnte, seinen Dienst verlassen. An seiner Stelle hält der Geistliche aus Medenice von Zeit zu Zeit Gottesdienste ab." Eine GP teilte mit, daß Pfarrer Henczel mit Rücksicht  auf die wenigen aus dem ruthenischen Nachbardorf Skawsko zum Gottesdienst nach Königsau kommenden Polen einmal im Monat polnisch predigte. Eine andere GP wußte, daß Henczel nach Dolina versetzt wurde. Henczels Nachfolger war Pfarrer Johann Deneka (auch Denaka geschrieben). Er wird sowohl in den Berichten des VB wie auch von den GP allgemein gelobt. Am 5.6.1929 wohnte er der Versammlung der Ortsgruppe des Verbandes deutscher Katholiken (= OG des VdK) bei. Auch er predigte nur einmal im Monat wie Henczel polnisch. Pfarrer Deneka war ständiger und fleißiger Leser der deutschen Bücherei in Königsau; Er besuchte auch gern die Versammlungen und Aufführungen des VdK. Eine andere GP berichtet über Pfarrer Deneka: "Er war sehr beliebt. Er hatte fast alle Bücher der Königsauer Bücherei gelesen. Nach den sonntäglichenVespergottesdiensten versammelte  er die Kirchenbesucher im großen Saal des Gemeindehauses, wo Bücher vorgelesen und besprochen wurden, die neuesten Nachrichten aus Zeitungen und Rundfunk, die wichtigsten Ereignisse der Woche besprochen wurden; er hat sich um das geistige Leben der Gemeinde sehr verdient gemacht." Begreiflich, daß der frühe Tod dieses Pfarrers schmerzliches Bedauern bei den Königsauern erweckte. Im VB 20/1936 ist unter anderem zu lesen: "Nach einem langen und schweren Lungenleiden verstarb in Königsau im Alter von 51 Jahren der Ortspfarrer Kanonikus Johann Deneka. Durch mehr als sieben Jahre wirkte er zum Besten der Gemeinde. Als Freund der Jugend nahm er sich ihrer in den ersten Jahren seines Hierseins wärmstens an. Die Jugend sollte nicht nur singen: ,Wir lieben deutsches Fröhlichsein und alte deutsche Sitten', sondern diese Worte auch in die Tat umsetzen. Oft forderte Kanonikus Deneka zum Lesen deutscher Bücher und Zeitschriften auf. Obgleich Pole, erteilte der Verstorbene der Jugend den Religionsunterricht in deutscher Sprache. An der Bestattung von Kanonikus Deneka nahmen außer den Gemeindemitgliedern auch Gäste aus Kaisersdorf, der vorigen Pfarrstelle des Verstorbenen, teil. Die Jugend sang zwei Trauerlieder. Aus Dankbarkeit für die Tätigkeit als Ortsgeistlicher schuf die Gemeinde auf eigene Kosten eine Gruft, wo nun Kanonikus Deneka bestattet liegt. Mit seinem Tode verlor die Gemeinde einen guten und verständlichen Seelenhirte. Ehre seinem Andenken!" Während der Tätigkeit des Pfarrers Deneka wurde die Kirche in Königsau renoviert. Die Kirche war früher mit einer Bretterverschalung und einem Schindeldach versehen. Frau Karoline Regner aus Broczkow, eine geborene Hampel aus Königsau, kehrte 1929 glücklich aus Amerika zurück und spendete für die Heimatkirche 200 Dollar. Dafür hat man die Kirche verrohrt und einen schönen Zementputz angebracht. Das Dach wurde mit schlesischem Blech  gedeckt. Besonderen Anteil an der Verputzung hatten die Maurer Krol und Tettich (VB 351 1929 und GP). Als Nachfolger von Kanonikus Deneka wurde Pfarrer Josef Wolczanski eingesetzt.  Als er nach Königsau kam, konnte er nur wenig Deutsch, es reichte zum Predigen nicht aus. Aus diesem Grunde las er häufig anstelle einer Predigt deutsche Texte aus religiösen Büchern von der Kanzel vor. Er gab sich viel Mühe, die deutsche Sprache zu erlernen und predigte später schon deutsch. Wenngleich ein überzeugter Pole, spendete er gern und reichlich, wenn für das Winterhilfswerk gesammelt wurde. Dadurch gewann er die Hochachtung vieler Königsauer. Die Gemeinde gefiel ihm sehr und lobte deren Bewohner als fleißig und sehr ordentlich (zwei GP). Wie das VB 34/1939 berichtete, wurde Pfarrer Wolczanski auf Anordnung des Hochw. Bischofs nach Stojance im Kreis Rudnik versetzt. Die Gemeinde dankte ihm im VB für sein treues  und segensreiches Wirken. An seine Stelle berief der Bischof den Pfarrer Franziszek Stanko. Er war der letzte Pfarrer von Königsau. Das Evangelium verlas er in deutscher Sprache, die Predigt hielt er meistens in polnischer Sprache, da er die deutsche nicht hinreichend beherrschte (GP). In Königsau (wie auch in Kaiserdorf) wurden deutsche Kirchenlieder gesungen. Der eine oder andere polnische Pfarrer wollte polnischen Kirchengesang einführen mit der Begründung, es gebe keine deutschen Kirchenliederbücher. So allgemein behauptet traf das nicht zu. Denn vor dem Ersten Weltkriege konnte man unmittelbar vom katholischen Verlag Steinbrenner in Winterberg in Böhmen oder durch den Verlag des Deutschen Volksblattes in Lemberg deutsche Gebets- und Liederbücher und andere religiöse Literatur in beliebiger Menge beziehen. In den etwa vier Jahren nach 1918/19 waren Neubeschaffungen schwierig. Viele Leute halfen sich damit, daß sie, besonders Frauen, Lieder abschrieben. Dennoch hatte schon im Jahre 1901 ein Matias Eckes die polnischen "Gorzkie zale" ins Deutsche übersetzt mit der Bezeichnung auf dem Titelblatt: "Betrachtungen des bitteren Leidens und Sterbens Jesu Christi während der heiligen Fastenzeit" und in Lemberg drucken lassen. Das Heftchn trägt auf der Rückseite des Titelblattes den Vermerk: L. 6961. Imprimatur (= kirchliche Druckerlaubnis). Vom rörnisch-katholischen erzbischöflichen Ordinariate. Lemberg, am 19. Dezember 1901. Josef Erzbischof, m. p. (Josef, das war der damalige Erzbischof Dr. Josef Bilczewski). Auf der Titelseite ist als Verlagsort der dritten Auflage Kaisersdorf angegeben. Der spätere Lehrer von Königsau, Jakob Hott (1919-1929), gebürtig aus Kaisersdorf, ließ die dritte Auflage drucken und in den beiden Orten verbreiten. Der Verlagsort für die erste oder die zweite Auflage oder für die erste und die zweite dürfte Königsau gewesen sein. Von der dritten Auflage steht im VB 14/1930 folgendes Notiz: "Betrachtungen des bitteren Leidens und Sterbens Jesu Christi in der Fastenzeit" herausgegeben von Lehrer Jakob Hott, Kaisersdorf. Auf der Titelseite der 3. Auflage 1-500 ist als Herausgeber jedoch auch Matias Eckes angegeben. Die Unstimmigkeiten vermochte auch die Witwe des Lehrers Jakob Hott nicht zu klären:. Sie weiß aber, daß ihr Mann wegen des Druckes des Büchleins in Lemberg war. (Brief vom 7.5.1966.) Nach der RE 1934 war der Pfarrer in Königsau ein Pole, er predigte an drei Sonntagen im Monat deutsch, es wurde immer deutsch gesungen, der Religionsunterricht wurde in deutscher Sprache erteilt.