Die Schule in Königsau
Über die Geschichte der Schule in Königsau, von der Gründung der Siedlung bis zum Jahre 1867, in welchem Galizien von Kaiser Franz Joseph I. zusammen mit der galizischen Autonomie (= Selbstverwaltung) auch die eigene polnische Schulverwaltung erhielt, und über 1867/70 hinaus konnte der V.d.B. keine Angaben sammeln. Wir wissen nichts über die bis 1867 gewiß doch auch in Königsau eingerichtet gewesene private Gemeindeschule, über deren Erhaltung und deren Lehrpersonen sowie über die nach 1867/70 erfolgte Verstaatlichung der Schule. Die ersten Nachrichten über die Schule in Königsau finden sich im Deutschen Volksblatt für Galizien. "Dem Kirchlein gegenüber befindet sich eine 1904 neuerbaute, gemauerte, öffentliche deutsche Schule, welche 121 Kinder besuchen. Sie steht an einem sehr schönen Orte, auf dem sogenannten Ringplatze. Das Schulhaus besteht aus zwei Schulzimmern und der Wohnung des Oberlehrers." (VB 87/1910) - Wer damals Oberlehrer war und wer Zweitlehrkraft, wird nicht berichtet. Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 wurde ein Oberlehrer L. W., ein gebürtiger Königsauer, der das Lehrerseminar in Sambor besucht hatte, zum Kriegsdienst bei der österreichisch-ungarischen Armee eingezogen. (Nach GP). - Die Frau des Oberlehrers L. W. war eine Polin. Sie soll Lehrerin in Königsau während des Krieges gewesen sein. Sie habe viel Polnisch unterrichtet. Die Leute waren nicht zufrieden mit ihr, so daß sie den Ort verließ (GP). Nach dem Ersten Weltkrieg war in Königsau ein sehr beliebter Lehrer: Jakob Hott, ein gebürtiger Kaisersdorfer. Hott, geboren 28.1.1897, absolvierte 1915 das k. u. k. Lehrerseminar in Sambor, kam Ende November aus dem Kriege nach Kaisersdorf, seiner Heimatgemeinde, heim. Damals regierten im Lande die Ukrainer. Die Gemeinde reichte mit Hott ein Gesuch ein, und er bekam die Stelle als Schulleiter in Kaisersdorf. Im Sommer 1919 kam der Oberlehrer Czechowski nach Kaisersdorf, seinem Dienstorte, zurück. Hott ging dann nach Königsau, wo er zuerst alleiniger Lehrer war. Nam Heimkehr des Oberlehrers Walz war Lehrer Hott bis 1929 Zweitlehrer. Jakob Hott hatte  mit der Königsauer Jugend deutsche Volks- und Kirchenlieder eingeübt. Im Jahre 1928 wurde er nach Drohobycz aufs Schulamt vorgeladen. Man hat ihm da vorgeworfen, daß er zu wenig polnisch unterrichte und deutsche Lieder mit der Jugend singe. Lehrer Hott hatte alle in Betracht kommenden Gesetze durchstudiert, er wußte, was erlaubt war und was nicht. Man konnte ihm nichts anhaben (GP v. 29. März 65). Die Unterrichtssprache war bis 1926 deutsch, dann wurde die polnische Unterrimtssprache für alle Fächer eingeführt. Auf den einmütigen Protest aller Königsauer hin wurde jedoch erreich, daß auch die deutsche Sprache gebührend berücksichtigt wurde. Der ganze Ort war rein deutsch. Ein einziger Jude war ansäßig (Nach VB 36/1928). Aber schon in Nr. 46/1928 berichtete das VB: "Trotzdem die Leute in Königsau um die deutsche Unterrichsprache für das erste Schuljahr und für die anderen Schuljahre um die deutsch-polnische Unterrichtssprache ansuchten, unterrichtet Oberlehrer W. in polnischer Sprache. Zwei Männer sprachen hierauf beim Schulinspektor vor, und dieser erklärte, daß er dem Herrn W. bereits den Auftrag zum Unterrichten wie verlangt gegeben habe, dennoch handelte der Oberlehrer nach seinem Willen gegen den Willen der ganzen Gemeinde." Um den Lehrer Jakob Hott aus Königsau herauszubekommen, fanden die polnischen Schulbehörden einen anscheinend einwandfreien Weg. Die Art und Weise der Versetzung Hott's geht aus folgenden Schriftstücken hervor, die man überschIreiben könnte: Geschichte der Versetzung eines tüchtigen deutschen Lehrers "dIa dobra szkola", das ist "zum Wohle der Schule". Der damalige deutsche Abgeordnete im polnischen Sejm (= Parlament), F. Lang, schrieb am 19.12.1928 von Lemberg aus an Hott: Sehr geehrter Herr Hoth! (Über die Schreibung des Namens Hoth oder Hott siehe den Bericht über Kaisersdorf im ZW 1969!) lch bitte mir baldmöglichst eine genaue Schilderung der Vorfälle, die Ihrer Ansicht nach die Versetzung veranlaßt haben. Dabei geben Sie Ihr Alter, Prüfungen, Dienstjahre und den Umfang Ihrer Wirtschaft an. Wir werden versuchen was möglich ist, obwohl man gegen »dIa dobra szkoly" nur in allerseltensten Fällen etwas ausrichten kann. Dies alles schicken Sie mir nach Bydgoszcz (= Bromberg) 4, plac Petersona 4. Mit freundlimem Gruß Ihr F. Lang Sejm der Republik Polen Warschau, den 22.1.1929 Sehr geehrter Herr Hoth! Im bitte Sie, umgehend von sich aus ein Gesuch an das Ministerium im Dienstwege einzuschicken, worin Sie um die Belassung in der bisherigen Stellung in Königsau bitten. Etwa folgendermaßen: (Der polnische Text lautet in deutscher Übersetzung:) An das Ministerium für Kultus und Unterricht in Warschau Endesgefertigter, Lehrer der Volksschule in Königsau, Kreis Drohobycz, wurde mit Reskript (= Erlaß) des Ministeriums f. K. u. U. vom 19.11.1928 Nr. 16866 von Amts wegen zum Wohle der Schule auf den 1. Februar 1929 nach Boryslau versetzt. Diese Versetzung hat den Unterfertigten nicht nur überrascht, sondern auch außerordentlich geschmerzt, denn nicht nur ist er sich keinerlei Schuld bewußt, die die Ursache der Versetzung sein könnte, sondern er übt mit aller Aufopferung und Hingabe seinen Beruf aus. In der Gemeinde Königsau ist er seit 1919 tätig und führte ein harmonisches Zusammenleben mit der Schule, den Schülern und ihren Eltern. Er gründete sich eine kleine Hauswirtschaft und vor allem eine Bienenzucht. Daher bildet die Versetzung für ihn einen moralischen Schlag und eine materielle Schädigung. Er bittet deswegen dringend, Das Ministerium für Kultus und Unterricht möge gütigst obengenannte Verordnung zurückziehen und den Bittsteller weiterhin in Königsau belassen. Jakob Hoth. Weiter Lang: Sie müssen aber nach Boryslau gehen, wenn Sie das nicht tun, werden Sie entlassen. Lassen Sie also vorläufig die Familie in Königsau zurück und gehen Sie allein hin und warten auf Nachricht vom Ministerium. Am Freitag werde ich persönlich intervenieren und Ihnen sofort das Ergebnis mitteilen. Mit besten Grüßen F. Lang Sejm der Republik Polen Warschau, den 25.1.1929 Sehr geehrter Herr Hoth! Soeben komme im vom Unterrichtsministerium, wo ich in Ihrer Angelegenheit interveniert habe. Die Versetzung ist nicht umzustoßen - leider! Es wurde mir nach Einblick in Ihre Akten versichert, daß die Versetzung lediglich geschah, um an Ihre Stelle nach Königsau eine Lehrerin zu geben, die auch Handarbeitsunterricht erteilen kann, und Sie sollen hauptsächlich in Boryslau den Unterricht für Deutsch übernehmen. Das Gesuch der Gemeinde, dessen Abschrift man mir zugeschickt hat, ist bereits abschlägig beschieden an das Kuratorium zurückgeschickt worden. Ihre Versetzung ist absolut nicht angreifbar. Der Herr Vizeminister meint, das Einschreiten wäre verständlich, wenn eine Strafversetzung oder eine Versetzung auf eine schlechtere Stelle erfolgen würde, da aber die Versetzung an eine 7-klassige Schule für Sie einen Fortschritt und vielleicht eine Auszeichnung bedeutet, kann er das Einschreiten nicht verstehen. Natürlich bin im persönlich einer anderen Meinung - es gibt eben Gründe, die man nicht sagt und nicht schreibt. - Es tut mir sehr leid, daß Sie nun Königsau verlassen müssen. Grüßen Sie bitte Herrn Gemeindevorsteher Zintel und Herrn Reichert und teilen Sie ihnen unseren Mißerfolg mit, der mir besonders nahe geht. Mit bestem Gruße Ihr F. Lang Somit wird auch Ihr persönliches Gesuch, das im Ihnen einzureichen riet, ohne Erfolg bleiben. Das VB 10 vom 10.3.1929 berichtete über die Versetzung des Lehrers Hott aus Königsau: Unser zweiter Lehrer, Herr Jakob Hoth, ist trotz Vorstellungen, Einwendungen, Bitten bei den einzelnen Schulinstanzen von unserer Schule, an der er 9 1/2 Jahre zu unserer größten Zufriedenheit wirkte, nach Boryslau versetzt worden, und zwar mit der Begründung, daß es das "Wohl der Schule" verlangt. Ein Grund, für die Gemeinde unverständlich, da sie gerade in Herrn Hoth das Wohl der Schule erblickte. Durch die Versetzung von Lehrer Hoth hat nicht nur die Schule einen schweren Schlag erlitten, sondern die ganze Gemeinde. Er war nicht nur Lehrer, der bestrebt war, den Kindern das Beste zu geben, sondern auch Volkserzieher. Neben seiner Arbeit in der Schule, der er mit größtem Fleiße nachkam, lag ihm auch die Arbeit an der der Schule entwachsenen Jugend am Herzen. Er war um ihre Weiterbildung bemüht und pflegte ganz besonders den Gesang. Er hat das Verdienst, daß die Raiffeisenkasse in der Gemeinde heute wieder tätig ist. Auch sonst war er ein lieber Berater, und "Groß und Klein" ehrte, liebte und schätzte ihn. In den ersten Februartagen, als er mit seiner Familie unser Dorf, das ihm zur Heimat geworden war, verließ, sah man beim Scheiden so manches Auge sich feuchten. Es sei Herrn Hoth, unserem gewesenen lieben Lehrer, nochmals an dieser Stelle für alle seine Mühe, Liebe und Treue herzlichst gedankt, und wir wünschen ihm und seiner Familie in seinem neuen Wirkungsorte alles Gute und Gottes Segen. Z. (= Zintel) Königsau. Allen Bekannten und Freunden rufe ich beim Scheiden aus Königsau ein herzliches Lebewohl zu! Ich danke allen für die Liebe und Freundlichkeit, die mir erwiesen wurden. Die Beweise der Anhänglichkeit haben mich gefreut und sollen unvergessen bleiben. Besonderen Dank auch allen denen, die mir bei der Übersiedlung mitgeholfen haben Jakob Hoth Lehrer. Eine GP schrieb dem V.d.B.: "Als Oberlehrer W. aus dem Kriege zurückkehrte, heiratete er die Lehrerin, die während des Krieges unterrichtet und den Ort verlassen hatte. Es wurde für möglich gehalten, daß diese Lehrerin schuld an der Versetzung des Lehrers Hoth war . Genaues wußte man nicht." Eine andere GP schrieb: "Jakob Hott war ein guter Lehrer. Er wurde gegen den Willen der Gemeinde versetzt, seine Frau stammte aus Kaisersdorf." Nach Jakob Hott war kurze Zeit ein Hobler Zweitlehrer in Königsau. Nach ihm kam die Lehrerin Frl. Anna Lang, gebürtig aus Kaisersdorf (GP). - "Schulleiter L. W. ist 1934 nach langem Krankenlager an Tbc in seiner Wohnung in Königsau verstorben und auf dem dortigen Friedhof begraben. Dann kam der Schulleiter Lagan aus Stryj nach Königsau. Als Zweitlehrerin unter Lagan, der nur gebrochen deutsch sprechen konnte, waren Frl. Lang und nach ihr ein Lehrer Ulanecki. Lagan unterrichtete Polnisch, Frl. Lang und Ulanecki Deutsch. In der Kerbzeit, wenn die kleine Jugend in ihrer Stube Tanz hatte, kam Lagan mit seiner Frau zum Zusehen, dann tanzte Lagan mit seinen ehemaligen Schülerinnen und Frau Lagan mit den Schülern. Frl. Lang hat viel Liebes und Gutes getan und war sehr beliebt. Die Königsauer Kinder beherrschten nach Schulentlassung die deutsche Sprache besser als die polnische. Nur einzelne verstanden polnische Bücher und Zeitungen. In der Umgebung wurde doch meistens ukrainisch gesprochen. Polnisch ist stets als Fremdsprache betrachtet worden, und als solche wurde sie nur soweit erlernt, um sich mit Polen über alltägliche Dingeverständigen zu können." (Nach drei GP.) Studiert haben aus Königsau L. W., der Oberlehrer in Königsau war; Wilhelmine Langenfeld wurde Lehrerin; Benedikt Wagner war Oberlandesgerichtsrat in Warschau und legte in der Hitlerzeit sein Amt nieder, weil er es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren konnte, nach Hitlers Vorschriften urteilen zu müssen. Daraufhin kam er ins Konzentrationslager, in dem er umkam; Johann Wagner war schon in Galizien Lehrer und übt jetzt noch (1965) diesen Beruf aus; Jakob Neuheimer war ebenfalls Lehrer, fiel aber im Krieg; Dr. Siegmund Limberger wollte in Galizien Pfarrer werden, durch den Krieg und die Umsiedlung wurde er Arzt. Er wohnt in Stuttgart und arbeitet im Krankenhaus; er hat eine eigene Praxis mit einigen Betten für Schönheitsoperationen und außerdem einen Kosmetiksalon. Rudolf Limberger ist Chemiker; Reinhold Reichert ist Finanzbeamter. (Ladislaus Neczypor, Landwirtschaft?) (GP). Anm. d. V.d.B.: Zur Jahrhundertfeier Machliniec Pfingsten 1923 waren als Vertreter der Gemeinde Königsau erschienen: die Lehrerin Wilhelmine Krawcow, geb. Langenfeld; Josef Reichert und Josef Zintel. Die drei haben sich in der Festschrift unterschrieben. Ein Brief des V d.B. an Dr. med. Siegmund Limberger in Stuttgart kam zurück mit dem Vermerk: Empfänger verstorben. In der "Reinpold'schen Erhebung" vom Jahre 1934 finden sich unter "Schule" folgende Angaben: Zweiklassige staatliche Volksschule mit deutscher Unterrichtssprache, 118 deutschen und 2 jüdischen Kindern, einer deutschen und einer slawischen Lehrperson, beide haben die Lehrbefähigung für Deutsch. 
CHRONIK