Königsaufahrt im Jahre 1999
Die alte Heimat wird in der neuen nicht vergessen Eine Reisegruppe von 31 Königsauern, ihrer Nachkommen, Anverwandten und 3 Gästen machte sich am Samstag, dem 18. September auf den Weg in ihren früheren Heimatort. Bereits früh 5 Uhr bestiegen in Brehna die ersten den Zubringerbus. Gemeinsam startete man dann 7 Uhr in Jüterbog im Reisebus der Firma Reich. Der älteste Teilnehmer war fast 83 Jahre, der jüngste ganze 15 Jahre alt. 20 der Teilnehmer waren noch in Königsau geboren, 4 gehörten der Kinder- und Enkelgeneration an. Vertreten waren die Königsauer Familienamen: Bauer, Beutel, Birl, Damm, Herzer, Lenz, Reichert, Schuster, Schwarz, Wieser, Tirian, Zapp und Zintel. Monatelange Vorbereitungen, viele Telefonate und ein reger Briefwechsel mit Rivne waren der Tour vorausgegangen. Gegen 17 Uhr war die erste Etappe von 600 km bis ins polnische Krakow geschafft. Im Hotel Krakus wartete bereits das Ehepaar Fabian aus Nürnberg, das zu dieser Fahrt eingeladen hatte. Ein Abendbummel in die Krakower Innenstadt war nicht gut möglich, denn die Unterkunft lag weit ab am Stadtrand. Aber die Hotelbar war gemütlich, und dort gab es noch viele Gespräche. Nach Lviv / Lemberg, Ukraine Auf der Weiterfahrt am Sonntag begleitete Angela Fabian die Reisenden und unterhielt diese gelegentlich mit historischen Informationen. Zur Gruppe gehörten nun auch eine Dame aus Polen und ein Herr aus Canada. Die polnisch- ukrainische Grenzabfertigung in Medyka ging relativ schnell vonstatten. Der Grenzübergang wurde renoviert. Die Beamten waren sogar fast ein wenig freundlich, im Gegensatz zu früheren Reisen. Die Uhr wurde eine Stunde vorgestellt und gegen 17 Uhr erreichte die Gruppe das 340-Betten-Hotel Dnister in Lviv (früher Lemberg). Nach einigem Hin und Her mit den Taschen und den Hotelboys gelangten alle rasch in ihre gut beheizten Zimmer. Eine großartige Empfangstafel war für das Abendessen bereitet. Ein Menü mit mehreren Gängen verwöhnte die Gäste. Der Ruf, eines der besten Restaurants der Stadt zu sein, konnte damit bestätigt werden. Gegen 22 Uhr fand anläßlich eines Stadtfestes ein großes Feuerwerk in der nahen City statt. Einige aus der Gruppe, wollten sich dies natürlich nicht entgehen lassen und stürzten sich in das Lviver Nachtleben. Andere erholten sich lieber in der Hotelbar und bestaunten das Spektakel vom Balkon aus. Rundreise durchs Karpatenvorland Eine Rundfahrt durch das obere Tal des Dnjester und die Ausläufer der Karpaten war für den Montag angesagt. Zuerst wurde eine große Büchersendung bei der Akademie in Lviv abgegeben, ein Geschenk der Berliner Universität, das ein Gast organisiert hatte. Busfahrer Lutz Birnbach rangierte den Bus gekonnt aus der Enge des Hofes und durch die schmalen Straßen und bewies einmal mehr sein Fahrgeschick. Dann ging es bei herrlichem Wetter weiter in Richtung Strij. Kurz vor der Stadt wurde der Bus wegen einer Absperrung gestoppt. Der Präsident wurde zu einer Wahlveranstaltung erwartet. Der Bus mußte warten. Mit einer halbstündigen Verspätung hielt der Bus am Bahnhof von Strij, und die Gruppe konnte 2 Stunden lang die Stadt besichtigen. Früher war man von Königsau nach Strij zum Markt gefahren. Einige Königsauer Schüler besuchten hier das Gymnasium, einige Ortsleute arbeiteten hier oder hatten hierher geheiratet. Gegen 13 Uhr erwartete man den Bus in Drohobycz, der einstigen Kreisstadt von Königsau. Eine schöne, über 400 Jahre alte Holzkirche am Stadtrand war zu besichtigen. Vor einigen Monaten war sie im deutschen Fernsehen vorgestellt worden. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt ging es weiter über Sambor, der vorherigen Kreisstadt von Königsau, nach Kaisersdorf, heute Kalinow. Eine Teilnehmerin war hier aufgewachsen und für sie und einige anderen begann die Spurensuche. Kaisersdorf, ebenfalls katholisch, war durch einige Heiraten mit Königsau verbunden. Auch der beliebte Königsauer Lehrer Hott kam von hier. Auf der Rückfahrt nach Lviv wurden bereits die Lieder und Gesänge für den nächsten Tag eingeübt. Am Abend begannen die Vorbereitungen für das große Ereignis. Taschen wurden um- und ausgepackt, der Plan für die Übergabe der offiziellen Geschenke wurde gemacht. Der große Tag Bischof Voronovs'kyi weiht neue griechisch-katholische "Kirche der Geburt der Heiligen Muttergottes" Der 21. September ist in den Ostkirchen als "Tag der Geburt der Heiligen Muttergottes" ein hoher kirchlicher Feiertag. Jeder hatte Festgarderobe angelegt. Es wurden Spendengelder angenommen und gegen 8.30 Uhr war Abfahrt nach Königsau. Dies liegt gut 70 km südlich von Lviv und heißt heute Rivne. Zusammen mit dem früheren Josefsberg (jetzt Korosnycja) und Letnija bildet es eine politische Gemeinde im Kreis Drohobycz. Hans Christian Heinz, ein Mainzer Geograph, in Lviv verheiratet, begleitete für diesen Tag die Gruppe. In seiner Dissertation wird Königsau, aufgrund des einmaligen Dorfgrundrisses, am ausführlichsten behandelt werden. Im Bus wuchs die Spannung. Für einige sollte es nach fast 60 Jahren ein erstes Wiedersehen werden. Kurz vor 10 Uhr tauchte der "Butzemänner Berg" auf. Gleich darauf war die schöne neue Dorfkirche zu sehen. Mit den prägnanten drei Turmkuppeln gekrönt und regionaltypisch mit Blech gedeckt, erhebt sich nun die griechisch-katholische Kirche im Zentrum des Ortes. Sie war in 5jähriger Bauzeit aus dem geschliffenen und ausgebesserten Bauholz der früheren deutschen römisch-katholischen Kirche aus dem Jahr 1846 neu errichtet worden. Die deutsche Kirche war in der Sowjetzeit, wie soviele andere Kirchen Ostgaliziens, als Getreidespeicher mißbraucht und dem langsamen Verfall preisgegeben worden. Durch entsprechende Berichterstattung in der regionalen Presse im Vorfeld dieses Ereignisses, hatten sich außer den 180 Einwohnern von Rivne noch mehrere hundert Menschen aus den benachbarten Dörfern zur Feier des Tages eingefunden. Die Leute hatten sich im Spalier zu beiden Seiten des Weges zur Kirche aufgestellt. Mit feierlichem Gesang und Überreichen eines Brotes begrüßte die einheimische Bevölkerung die kleine deutsche Delegation. Ortsvorsteher Mychajlo Potjuk und Ortspfarrer Oleksij Dem'janovs'kyi hielten Begrüßungsansprachen, die Jehwhen Chomitsky als Dolmetscher übersetzte. Adolf Reichert antwortete im Namen der Besucher und Hans Christian Heinz übersetzte seine Worte. Dann erschien der Bischof von Sambor und Drohobycz, Julijan Voronovs'kyi und weihte unter Assistenz mehrerer Pfarrer des Bistums in einer vierstündigen höchst feierlichen erzpriesterlichen Liturgie die Kirche in Rivne ein. Das hier übliche Stehen über die ganze Zeit, war für die Besucher doch recht ungewohnt und anstrengend und zwang viele vorzeitig zu einer Pause. Am Ende sprach Dr. Rudolph Lenz einige Worte zur Übergabe der offiziellen Geschenke für die Kirche. Die kleine Zeremonie begann mit der Überreichung des Kruzifix der alten Königsauer Kirche, einer geschmückten Altarkerze und einem Glöckchen für die Altarwand (Ikonostase). Es folgten 10 Priestergewänder, zur Ansicht vorgetragen von einigen aus der Gruppe, sowie ein symbolischer Scheck in Höhe von 3200 DM, der für den Kauf einer großen Glocke und von Priestergeräten gedacht war. Zum Schluß wurde das deutsche Kirchenlied "Großer Gott wir loben Dich" gesungen. Damit wurden von der kleinen Königsauer Spendergemeinde von ca. 100 Personen, die sich seit 7 Jahren jährlich treffen, knapp 15000 DM für die neue Kirche in Rivne zusammengetragen. Die Einwohner von Rivne bedankten sich mehrfach für die reichen Gaben. Die Hochachtung der deutschen Delegation galt dem Kirchenkomitee unter Leitung von Halyna Onufrik, die den Briefkontakt nach Deutschland hält, und der kleinen Gemeinde Rivne für die bewunderungswürdig große Leistung. Auch für das schöne Herrichten des alten deutschen Friedhofs bedankten sich die Gäste herzlich.
Königsauer unterstützen Kirchenneubau 
Gegen 16 Uhr gab es für alle ein gemeinsames Essen im Kulturhaus des Dorfes. Die ukrainischen Vertreter der Gemeinde und des Kreises hielten kurze Festansprachen. Eine Folkloregruppe unterhielt die Gäste. Der Bischof verteilte zur Erinnerung Autogramme, ehe er sich zur Weiterreise nach Kiew verabschiedete. Nun begann das Austeilen der persönlichen Geschenke an die Dorfbewohner. Einige kannten sich noch aus der Kinderzeit und das Wiedersehen, nicht selten mit Freudentränen, besiegelte neue Verbundenheit. Der für alle Teilnehmer bedeutsame und erlebnisreiche Tag klang aus mit einem kurzen Besuch am Friedhof. Die Heimreise ins Hotel führte diesmal über Medenice. Auf Spurensuche in Königsau und Lemberg Am Mittwoch besuchte die Gruppe nochmals den Friedhof in Königsau. Ein kurzer extra vorverlegter Gottesdienst wurde gefeiert. Daran schloß sich die Prozession zum alten Friedhof mit Gräbersegnung an. Über 20 "neue" Grabinschriften wurden entdeckt, die bisher noch nicht in der Liste erfaßt waren. Einige noch liegende Steine konnten trotz kräftiger Helfer leider nicht umgedreht werden. Sie waren zu schwer. Nach einem Imbiß wurde in der Kirche die Summe, des am Vortage überreichten Schecks, in barem Geld überreicht. Jetzt wurden noch einige Lindenbäumchen um die Kirche gepflanzt. Dann konnte das Dorf privat durchstreift werden. Einige konnten sogar ihre Geburtshäuser besichtigen. Andere fanden nur leere Grundstücke und gedachten ihrer Vorfahren. Die Zeit dafür erwies sich für alle als zu kurz.- Wieder zurückgekehrt nach Lviv, gab es für die Gruppe noch eine kleine, aber sehr interessante Stadtbesichtigung, geführt von Hans Christian Heinz. Sehr fachkundig erläuterte er die verschiedenen Kirchen und markanten historischen Denkmäler der Stadt. Allenthalben wird ein "Kampf gegen den Zahn der Zeit" geführt, um die wertvollen Baudenkmäler zu bewahren. Heimreise Am Donnerstag begann die Rückreise bis Krakow. Diesmal wurde die Altstadt von einigen per Taxi besucht. Krakow bei Nacht - ein Erlebnis, das man nicht vergißt. Auch hier war zu sehen, daß mit viel Fleiß Restaurationsarbeiten durchgeführt werden. Da ist zum einen die weltberühmte Marienkirche am Hauptmarkt, die Tucherhallen, der Wawelkomplex am Weichselufer und viele wunderschöne alte Häuserfassaden. Die Stadt bereitet sich auf die Ernennung zur Weltkulturstadt im Jahr 2000 vor. Die jährliche Touristenzahl von 4 Millionen macht eine rechzeitige Buchung im Hotel notwendig. Am Freitag wurde dann die weite Strecke nach Deutschland zurückgelegt. Die Reisenden bedankten sich bei ihrem "Chorleiter" Dr. Rudolph Lenz, der die Zeit der Fahrt verkürzte und immer für gute Stimmung sorgte, indem er viele bekannte deutsche Wanderlieder anstimmte und zum Mitsingen animierte. Ferner bedankte sich die Gruppe bei dem sehr netten, zuvorkommenden und stets auf alle Wünsche eingehenden Busfahrer Lutz Birnbach und der Begleiterin Karoline Klose. Weil die Einrichtung eines Museums im ehemaligen Schulgebäude von Königsau geplant ist, regten einige der Teilnehmer gleich eine erneute Reise an, eventuell in 2-3 Jahren ! Vielleicht sind auch Sie dann mit dabei ?