Königsaufahrt im Jahre 2001
Auf Spurensuche nach einer verschwundenen Welt Bereits ein Jahr nach der 2. Busreise wurde großes Interesse an einer erneuten Fahrt nach Königsau bekundet und damit die Vorbereitungen zur 3. Busreise eingeleitet. Am Samstag den 26. Mai war es soweit. Von Berlin aus starteten die ersten Teilnehmern um 5 Uhr früh mit einem modernen Reisebus der Firma Micky Tours. Begleitet von einem Kleinbus, der dankenswerterweise für die vielen Hilfsgüter zur Verfügung gestellt wurde und der unsere Mobilität stark erweiterte, erreichten wir gegen 7 Uhr Brehna. Dort stieg der größte Teil der Reisegruppe zu. Die erste Zwischenstation, das Hotel "Felix" in Krakow Nowa Huta erreichten wir gegen 19 Uhr. Am Sonntagmorgen bei noch herrlichem Wetter stiegen die letzten 8 Teilnehmer zu. Mit einer bunt gemischten Gruppe aus 6 Ländern von Australien über Deutschland, Kanada, Polen, Schweden und den USA an Bord, ging es Richtung ukrainische Grenze. Von den 52 Teilnehmern waren 16 gebürtige Königsauer und 6 im Warthegau geboren. Die Übrigen waren Angehörige der Kinder- und Enkelgeneration oder Reisebegleiter. Der Älteste war 80 Jahre, die Jüngste 24 Jahre alt. Vertreten waren die Königsauer Familienamen: Bauer, Birl, Brück, Fachet, Kremer, Langenfeld, Lenz, Limberger, Neuheimer, Reichert, Schneider, Walz, Wieser und Zintel. Einige Gäste vertraten für Machliniec die Familien Langenberger und Rehmann, sowie für Neudorf/Drohobycz die Familien Schütz und Spanier.Das einstimmig angenommen "Du" verstärkte den Charakter einer Großfamilie. Alle Teilnehmer erhielten eine jeweils individuell zusammengestellte Mappe, in der die Stationen der Reise in Bild und Text aufgeführt waren. Historische Informationen, Lieder und Geschichten in Mundart perfekt vorgetragen von Dr. Rudolph Lenz, verkürzten stets die Zeit der Fahrt. Gegen 19 Uhr erreichten wir in Lemberg unser Hotel "Dnister". Um 20 Uhr fand das gemeinsame Abendessen statt. Gerd Birnbach, unser Ansprechpartner der Busfirma und einer der beiden Fahrer, legte die mühevolle Kleinarbeit der Reisevorbereitung dar. Zusammen mit Angela Fabian, die zur Fahrt eingeladen hatte und den Kontakt mit allen Teilnehmern, mit Königsau direkt und mit der Busfirma hielt, konnten alle aufgetretenen Schwierigkeiten gemeistert werden.
Begrüßung durch eine Kinderfolkloregruppe
Gottesdienst in der Königsauer Kirche
Das Ziel unserer Träume "KÖNIGSAU" Am Montagmorgen um 10 Uhr erreichten wir endlich Königsau. Einst zum Abschied, diesmal zum Empfang wurden wir mit Glockengeläut begrüßt. Langsam rollte unser übervoller Bus bis zur Kirche. Jakob Zintel der älteste Teilnehmer, noch die alte Mundart beherrschend, brachte mit seinen Erzählungen die Aufregung der Meisten im Bus auf den Höhepunkt. Ortspfarrer Demjanowski und unser Dolmetscher Herr Chomitzky erwarteten uns mit den Bewohnern von Rivne vor der neuen Kirche. Eine Kinderfolkloregruppe begrüßte die Gruppe mit Brot und Salz. Der Ortsvorsteher, die Kreisleitung von Drohobycz sowie Frau Modricki von der Deutschen Gesellschaft in Drohobycz fanden große Worte der Begrüßung und des Dankes. Die Reisegruppe brachte sich bei der Mitgestaltung des Gottesdienstes mit einem Lied ein. Die Fürbitten wurden von Teilnehmern aus verschiedenen Ländern gesprochen.
Der anschließende Gang zum Friedhof mit Niederlegung eines Kranzes am großen Denkmal zum Gedenken an alle Königsauer Toten von 1783-2001 schloß den offiziellen bewußt kurz gehaltenen Teil ab. Auf dem Friedhof erlebten wir die größte Überraschung. Die Dorfbewohner hatten alle im Laufe der langen Zeit umgefallenen und teilweise verschütteten Grabsteine ausgegraben, aufgestellt und bis auf den Textteil weiß getüncht. So war Dieser noch gut lesbar und es konnten weitere 48 Namen auf der bereits 108 Personen umfassenden Gräberliste eingetragen werden. Damit hatte jeder Teilnehmer mindesten ein Grab aus der direkten Verwandtschaft zu besuchen. Nicht selten standen einige vor den Gräbern (oft über 120 Jahre alt) der Urgroßeltern! Ein anschließender kurzer Imbiß im alten Schulgebäude, innen noch fast original erhalten, ließ das inzwischen windig und regnerisch gewordene Wetter kurz vergessen. Die Verteilung der Hilfsgüter, diesmal direkt für jede einzelne Familie zusammengestellt, lies noch mal kurz Aufregung entstehen, ehe alle ins Dorf ausschwärmen konnten, bis gegen 19 Uhr der Bus zurück ins Hotel startete.
Die neue Königsauer Kirche (Foto: P. Semanchuk).
Auf nach Machliniec und Kornelowka Das ebenfalls katholische Machliniec mit seinen umliegenden zum Kirchspiel gehörenden Dörfern stand einst mit Königsau in regem Kontakt vor allem bei der Wahl der Ehepartner. So stand der Besuch diesmal fest mit auf dem Plan und gab vielen die Chance die Herkunftsorte beider Elternteile zu sehen. Dies wurde auch dankend von etwa 10 Teilnehmern angenommen. Dienstagmorgen gegen 10 Uhr erreichten beide Busse Machliniec und hielten am neuen Friedhof. Dieser, um 1920 neu angelegt, gab noch etwa 85 deutsche Grabsteine frei. Nach dem Besuch der 1996 ebenfalls neu erbauten Kirche und einem kurzer Rundgang durch das langgezogene Dorf teilte sich die Gruppe. Ein Teil besuchte die Elternhäuser in Kornelowka und fuhr mit den Kleinbus abends direkt nach Lemberg zurück. Der andere Teil fuhr erneut nach Königsau und konnte den Besuch vom Montag fortsetzen. Eine kleine Gruppe überreichte eine Spende für die Kirche und die Pflege des Friedhofes. Die Kirche hatte in diesem Jahr neben den Glocken, einen Zaun erhalten. Der nächste Plan sei die Anschaffung eines großer Kronleuchters. Kleine Rundfahrt / Stadtbesichtigung in Lemberg Um auch die Umgebung von Königsau kurz kennenzulernen, war für Mittwoch eine kleine Rundfahrt eingeplant. Gegen 9.30 Uhr erreichten wir den Bahnhof in Strij, wo sich einige für einen Stadtrundgang entschieden, andere sich ein Taxi nahmen und nach Bolechow reisten, oder wiederum nach Machliniec fuhren. Danach ging es nach Neudorf/Drohobycz, zudem es früher auch rege Verbindungen gab. Schließlich wurde noch Drohobycz angesteuert, wo wir zunächst Gäste der Deutschen Gesellschaft waren und anschließend eine kurze Stadtrundfahrt mit Erläuterungen machten. Gegen 16 Uhr wurde wieder das Hotel in Lemberg erreicht, wo bereits eine junge Studentin als Stadtführerin wartete. Die vielen wunderschönen alten Häuserfassaden, ganze Straßenzüge lang, lassen das einstige Flair dieser Stadt noch erahnen. Zurück nach Polen Nach dem letzten perfekten Frühstück in Lemberg konnte am Donnerstag pünktlich die Rückreise angetreten werden. Die Grenzabfertigung dauerte auch diesmal wieder 3 Stunden. Um 12.30 Uhr erreichten wir Przemysl. In dieser Stadt lagern Kirchenbücher von Königsau, die wir gern für die Ortschronik bearbeiten würden. Eine kleine Gruppe wurde im zuständigem Archiv vorstellig, mit dem schockierenden Ergebnis das Deutsche dort unerwünscht sind! Einsicht in die Unterlagen wird nicht gestattet! Gegen 18 Uhr in Krakow am Hotel Krakus angekommen, verabschiedeten sich bereits die ersten Teilnehmer. Ein voller Tag in Krakow Bei früheren Reisen wurde es stets gewünscht Krakow nicht nur als Zwischenstop zu nutzen, sondern auch einmal einen vollen Tag in Krakow zu verweilen. Dies wurde am Freitag verwirklicht. Eine perfekte Stadtführerin zeigte uns den Wawel und die Marienkirche. Danach wurde die Stadt bis 19 Uhr allein durchstreift ohne eine Minute der Langeweile. Ein schöner Abschluß der Reise. Nach dem Abendessen wurde gemeinsam in großer Runde noch ein Lied zum Abschied gesungen.
Heimreise / Dank Wohlbehalten kehrten am Samstag alle an ihren Ausgangspunkt zurück. Unserem allseits für sein überaus freundliches und zuvorkommendes Wesen beliebten Busfahrer Lutz Birnbach an dieser Stelle nebst seinem Bruder Gerd ein Dankeschön der Gruppe für die wieder sehr schöne Reise! Angela Fabian
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