Königsaufahrt im Jahre 2003
Ein Dialog mit der Vergangenheit  4. Busreise nach Königsau/ Rivne, Ukraine - vom 24. bis 31 Mai 2003 Nur ein Jahr nach der 3. Königsau-Busreise lagen wieder viele Anfragen für eine erneute Reise vor. Die ersten Vorbereitungen waren bereits getroffen worden. Alle Familien in Rivne mit Kindern sollten ein Fahrrad erhalten. Im Juli 2002 konnte bereits mit dem Sammeln der Räder begonnen werden. Beim 9. Königsau-Treffen im August wurde gescherzt, dass diesmal wohl 2 Busse benötigt würden. Die weltweiten Email-Kontakte führten wieder zu einer sehr internationalen Gruppe und schließlich auch dazu, dass tatsächlich 2 Busse benötigt wurden. Am Samstag dem 24. Mai um 5.00 Uhr morgens starteten 2 MAN-Reisebusse der Firma Reich mit einem Fahrradanhänger von Jüterbog mit dem ersten Teilnehmer. In Pratau stiegen 15 Teilnehmer zu und in Brehna am Hotel Bavaria weitere 13. Bei Familie Limberger wurden die gesammelten Hilfsgüter eingeladen und schließlich stieg am Schützenhaus-Brehna die Hauptgruppe von 33 Teilnehmern zu, so dass die Platzverteilung durchgeführt werden konnte. Am Grenzübergang in Görlitz kamen noch 3 Teilnehmer dazu. Dr. Rudolph Lenz verkürzte die Fahrtzeit mit gedanklichen Ausflügen in die deutsche Geschichte, animierte zum gemeinsamen Singen und brachte humorvolle Einlagen. Für die nur englischsprachigen Teilnehmer übersetzte freundlicherweise perfekt Frau Iris Wolf-von Hawker. Ein von vorherigen Reisen erstelltes Video konnte zur Einstimmung auf das Kommende angeschaut werden. Gemeinsam erreichten wir gegen 18.30 Uhr das neu erbaute Hotel "System" am Rande Krakau. Am Sonntagmorgen bei herrlichem Wetter stiegen die letzten 15 Teilnehmer zu. Damit waren beide Busse restlos beladen. Mit einer bunt gemischten Gruppe aus 8 Ländern von Australien über Deutschland, Kanada, England, Polen, Schottland, Schweden und den USA an Bord, ging es Richtung ukrainische Grenze. Von den 80 Teilnehmern waren 14 gebürtige Königsauer und 6 im Warthegau geboren. Die Übrigen waren Angehörige der Kinder- und Enkelgeneration oder Reisebegleiter. Der Älteste war 83 Jahre, der Jüngste 32 Jahre alt. Damit wurde ein Durchschnittsalter von 59 Jahren erreicht. Vertreten waren die Königsauer Familienamen: Alex, Bauer, Beutel, Birl, Fachet, Kremer, Lenz, Limberger, Reichert, Schneider, Wieser, Wolf und Zintel. Einige Gäste vertraten für Machliniec die Familien Langenberger, Reiter, Trautmann und Balaweider. Für Neudorf/Drohobycz waren die Namen Schwarz und Spanier interessant. Für Dolina und Umgebung waren die Namen Petermann, Huber, Schulz und Regner vertreten, für Lemberg und Ottenhausen die Familie Weiss. Das einstimmig angenommene "Du" verstärkte den familiären Charakter. Alle Teilnehmer erhielten von Reiseleiterin Angela Fabian, eine jeweils individuell zusammengestellte Mappe in deutsch oder englisch, in der die Stationen der Reise in Bild und Text aufgeführt sind. So konnte die Reise besser verfolgt und später zu Hause beim Berichten besser erzählt werden. Nach einer 2stündigen Reparatur (Erneuern des gerissenen Keilriemens) am 2. Bus (ca. 100 km vor der ukrainischen Grenze), wobei auch einige Mitreisende tatkräftig die Busfahrer unterstützten, ging es weiter. Zu allem Pech bei der Hitze ging auch noch die Klimaanlage im 2. Bus in einen defekten Zustand über. Dies tat aber der allgemeinen Stimmung keinen großen Abbruch. Nach der üblichen Prozedur an der ukrainischen Grenze (diesmal 3 Stunden) erfolgte der Eintritt in eine andere Welt, vor allem für die Übersee-Teilnehmer. Gegen 19.30 Uhr erreichten wir das Hotel "Dnister" in Lemberg. Um 20 Uhr fand das gemeinsame Abendessen statt.
Das Hotel "Dnister" in Lemberg (Foto: Breitenbach)
Empfang in Königsau (Foto: Breitenbach)
Ortspfarrer Demjanowski erwartete uns mit den Bewohnern vor der Kirche. Eine Kinderfolkloregruppe begrüßte uns in deutsch mit Brot und Salz. Der Ortsvorsteher und andere Persönlichkeiten fanden große Worte der Begrüßung und des Dankes. Wir brachten uns bei der Mitgestaltung des Gottesdienstes mit einem Lied ein. Die Fürbitten wurden von verschiedenen Teilnehmern gesprochen. Alle Ansprachen wurden von Herrn E. Chomitzky, einem Lehrer aus Letnia, ins Deutsche übersetzt. Frau Iris Wolf von Hawker, selbst Gast, die die Heimat ihrer Eltern sehen wollte, übersetzte ins Englische.
Als Gastgeschenke an die Kirche konnten wir Dank Familie Birl aus Bonn einen Kelch und einen Hostienteller, sowie Dank Frau Wanda Zänker geb. Zintel eine große Kerze mit dem Abbild Mariens überreichen. Eine vorher abgesprochene Informationstafel in den Sprachen deutsch, ukrainisch, englisch und polnisch wurde zum Gedenken an diesen besonderen Ort in der Kirche angebracht.
                                Der anschließende Gang zum Friedhof wurde zu Gebet, Gesang und zur Niederlegung eines aus Deutschland mitgebrachten Kranzes zum Gedenken an alle Königsauer Toten von 1783-2003, genutzt. Danach wurde ein noch im Original aus deutscher Zeit stehendes Haus (Nr. 68 Beutel, Johann) von Keller bis Boden besichtigt. Damit wurde den vielen Gesprächen der Eltern oder Großeltern eine Vorstellung ihres damaligen Lebensumfeldes gegeben.
Für 24 Personen war es ein Wiedersehen mit Königsau teilweise schon zum 6. mal. Im Neubau neben dem Dorfladen "Magazin" wurde nun zu einem großen Empfangsessen eingeladen, nach ukrainischer Tradition alles sehr reichlich. Inzwischen war der Anhänger entleert worden, von 39 Fahrrädern unsere Überraschung für die Kinder in Rivne. Per Nummernsystem wurden diese zusammen mit den Taschen und Paketen voller Hilfsgüter (Kleidung, Schuhe, Spielzeug und Lebensmittel) an jeden Haushalt in Rivne verteilt. Eine Handsähmaschine und ein Handrasenmäher wurde zum allgemeinen Gebrauch überlassen Damit endete der offizielle Teil des Tages und jeder konnte nach eigenen Ermessen Orte und Plätze aufsuchen. In der eigenen Mappe waren jeweils im Dorfplan die Häuser der Eltern und Vorfahren und auf der Friedhofsliste die entsprechenden Grabsteine markiert. Damit hatte jeder die Chance etwas direkt ihn selbst betreffendes zu finden. Immerhin waren 30 Gäste über einen Vorfahren, den Erstansiedler Ferdinand Kaufhold, mehr oder weniger weitläufig miteinander verwandt.
Die mitgebrachten Fahrräder (Foto: Semanchuk)
Ein Traum wird wahr - Ankunft in KÖNIGSAU Am Montagmorgen nach einem perfekten Frühstück, starteten wir gegen 8.00 Uhr in das ca. 70 km südwestlich gelegene Dörflein Königsau heute Rivne genannt. Mit einem kurzen Vortrag über die deutsche Ansiedlung in Galizien und damit wie alles vor über 200 Jahren begann wurden wir bestens von Frau Angela Fabian eingestimmt. Über Kawsko und den Butzemannberg im Klang von Beethovens 5. Symphonie erreichte unser kleiner Konvoi um 9.30 Uhr, langsam fahrend, den Ort von dem wir alle schon soviel gehört hatten, unser einstiges Königsau.
Gedenktafel (Foto: Kaminski)
Damit endete der offizielle Teil des Tages und jeder konnte nach eigenen Ermessen Orte und Plätze aufsuchen. In der eigenen Mappe waren jeweils im Dorfplan die Häuser der Eltern und Vorfahren und auf der Friedhofsliste die entsprechenden Grabsteine markiert. Damit hatte jeder die Chance etwas direkt ihn selbst betreffendes zu finden. Immerhin waren 30 Gäste über einen Vorfahren, den Erstansiedler Ferdinand Kaufhold, mehr oder weniger weitläufig miteinander verwandt. Inzwischen war Leben in das Dorf gekommen und aus jeder Straßenecke kam ein Fahrrad angesaust. Unsere Mühe mit den Rädern hatte sich gelohnt, die Kinderaugen strahlten, denn es gab angeblich zuvor im ganzen Dorf kein Kind mit Fahrrad. Einige von uns nutzten auch die Zeit für einen Abstecher nach Drohobycz bzw. nach Neudorf/Drohobycz, bis gegen 18.30 Uhr der Bus zurück ins Hotel fuhr. Diesmal fuhren wir über Medenice, wo wir Herrn Modricki verabschiedeten, der für die Universität in Drohobycz 6 Kartons Bücher von der Uni in Göttingen über uns erhalten hatte. Die Familie Weiss hatte den Tag in Lemberg verbracht und Ottenhausen und Umgebung auf dem Plan. Um 20 Uhr wurde für alle das warme Abendessen serviert.
Rundfahrt durch die Nachbarschaft Nach einem morgendlichen Geburtstags-Ständchen für eine Teilnehmerin, gehörte der Dienstag den Gästen und denjenigen Königsauern deren Elternteile aus anderen katholischen Dörfern Galiziens nach Königsau kamen. Da war z.B. die sogenannte Deutsche Sprachinsel Machliniec zu denen die Dörfer Kornelowka, Nove Siolo, Wola Oblaznica, Izydorowka, Kontrovers und Krechowka mit Mazurowka und Lubsza gehörten. Gegen 10.00 Uhr erreichten wir am Dorfeingang in Machliniec den neuen Friedhof, der von ca. 1920-1940 den Deutschen als Begräbnisstätte diente. Leider war das Gras nicht gemäht und die umgefallenen Steine zum Abschreiben nicht umgedreht worden, wie man es uns versprochen hatte. So verteilten wir uns in dem langgezogenen Dorf, besichtigten die vor knapp 10 Jahren neu errichtete Kirche und wanderten von dort in kleiner Gruppe zum alten Friedhof. Ein Teil durch ältere Bäume gekennzeichnet muß um 1843 angelegt worden sein und 1861 während des Kirchenneubaus erweitert worden sein. Die jüngsten Grabsteine waren aus dem Jahr 1921. Bei unserem letzten Besuch reichte die Zeit nicht aus alle Inschriften zu notieren. Diesmal konnten wir die Liste von 22 auf 60 Namen erhöhen, da hier fleißige Helfer alles begehbar gemacht hatten. Nach unserem mittäglichen Imbiss am Bus und dem Verteilen von weiteren Hilfsgütern u.a. auch von Krücken als Gehhilfe an stark bedürftige alte Frauen, ging unsere Fahrt weiter in das Dörfchen Kornelowka. Hier wurde ein Traum für unseren weitestgereisten Teilnehmer wahr. Er betrat die Heimat seiner Langenberger-Vorfahren. Er selbst lebt seit 8 Jahren in Australien und kam extra für diese Reise nach Europa. Auch einige andere besuchten die Elternhäuser, die zumeist noch standen. Andere Teilnehmer hielten Siesta und wieder andere verteilten weiter die reichlich vorhandenen Hilfsgüter. Nicht selten wurden die hier noch ärmer als in Königsau Aussehenden am Bus Vorbeigehenden größengerecht eingekleidet. Schließlich ging es über Stryj zurück und von da aus in Richtung Dolina. Auch dorthin hatten viele Königsauer eingeheiratet, vor allen in den Vorort Broczkow. Aber in einer Stadt wird eher neugebaut als in einem kleinen Dorf. So war es schwierig einen alten Anhaltspunkt zu finden. Schließlich wurden 2 Taxis genommen und 7 Personen durch die Stadt zu Kirche und Friedhof gefahren. Nur ein deutscher Grabstein wurde gefunden. Für 18.00 Uhr wurde als Treffpunkt der Bahnhof in Stryj verabredet. Damit fuhren die Busse zurück in Richtung Stryj. Von Bolechow aus versuchten wir über Pöchersdorf, Niniow anzufahren, was leider der schlechten Straßen wegen nicht gelang. Vernünftigerweise kehrten wir auf die Hauptstraße zurück und fuhren über Stryj nach Lemberg zurück, wo um 20.00 Uhr das Abendessen auf uns wartete. Gegen 17.00 Uhr trafen wir vor dem Hotel die beiden Stadtführerinnen, mit denen wir in 2 Bussen, einem deutschen und einem englischen, zuerst zum weltberühmten Lycakivske Friedhof fuhren. Das Gebiet umfaßt ca. 40 ha und wird so nach und nach vor allem von Studenten renoviert. Begräbnisse finden heute dort kaum noch statt, nur für berühmte